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Tenebra

Elias

Die ersten Seiten aus einem laufenden Buchprojekt. Dieser Auszug ist unser gemeinsamer Einstieg in einen Krimi. Du kannst ihn ohne Konto lesen.

Der Regen hatte gegen vier angefangen und seither nicht aufgehört. Als Elias Harrow am Nordende der Landstraße aus dem Wagen stieg, war der Randstreifen zu einem dunklen Brei geworden. Darin hatte der Reifen, der den Briefkasten erwischt hatte, eine brauchbare Spur hinterlassen.

Der Kasten lag mit der Öffnung nach unten im Gras. Elias hätte ihn mit einer Hand aufrichten können, doch sein Besitzer hatte bereits zweimal angekündigt, jeden zu verklagen, der ihn noch einmal anfasste. Also blieb er liegen. Elias fotografierte den gesplitterten Pfosten, legte das Maßband neben die Spur und nahm den Schaden auf. Als ihm Wasser vom Mützenschirm auf den Bericht tropfte, zog er das Blatt unter die Jacke und ging die letzten Schritte zum Wagen schneller.

Drinnen war es noch warm. Er wischte sich den Regen aus dem Gesicht und griff nach dem Funkmikrofon.

„Ich mache noch die Nordrunde, Loretta. Danach bin ich wieder bei euch.“

„Und dann gehst du nach Hause. Du hast Phelps heute lange genug vertreten.“ Im Hintergrund klingelte ein Telefon. „Er hat gerade angerufen. Die Ärzte wollen seinen Jungen über Nacht in Athens behalten.“

„Ist es doch schlimmer?“

„Nach allem, was er sagt, nicht. Aber nach so einem Sturz gehen sie lieber sicher.“

„Gut. Sag ihm, er soll sich um den Dienst keine Gedanken machen. Hier ist alles ruhig.“

„Das richte ich ihm aus.“

Elias hängte das Mikrofon ein und bog auf die Landstraße. Hinter dem verwischten Schein der Scheinwerfer verschwanden die letzten Häuser. Ein Briefkasten, ein Streit um einen Zaun und das Öl, das ein Traktor auf der Kreisstraße verloren hatte – für einen Donnerstag war es ein überschaubarer Tag gewesen. Trotzdem spürte er inzwischen jede Stunde davon in den Schultern.

Die Nordrunde führte am alten Sägewerk vorbei und weiter durch offenes Weideland. Im Licht tauchten nasse Zaunpfähle auf, dahinter stand der Wald als dunkle Fläche. Elias nahm vor den Kurven den Fuß vom Gas. Am verlassenen Vickers-Haus bog er zum dritten Mal an diesem Tag von der Straße ab.

Der Hund wartete bei der eingebrochenen Gartenmauer. Morgens hatte Elias ihm Wasser hingestellt; bei seinem zweiten Besuch hatte er etwas Fleisch dabeigehabt, das inzwischen verschwunden war. Nun stand neben der Dose eine leere Metallschüssel, halb geschützt unter dem Mauervorsprung. Jemand anders kümmerte sich offenbar auch um ihn.

Elias holte die Reserveflasche aus dem Fußraum und ließ die Wagentür offen. Der Hund wich diesmal nicht hinter die Steine zurück. Er verfolgte mit gesenktem Kopf, wie Elias in die Hocke ging und das Wasser nachfüllte, und wagte sich näher, bis nur noch zwei Schritte zwischen ihnen lagen.

„Na, du traust dich ja doch.“

Der Schwanz bewegte sich kurz. Elias blieb noch einen Moment sitzen, ohne die Hand nach ihm auszustrecken. Dann schraubte er die Flasche zu und stand langsam auf. Als er zum Wagen zurückging, hörte er hinter sich das hastige Schlabbern.

Auf dem Rückweg fiel ihm unter der Skipper-Creek-Brücke eine helle Bewegung auf. Er hielt auf dem Schotterstreifen und sah zur Nordseite hinunter. Zwischen den Steinen hing durchsichtige Verpackungsfolie, die sich mit der Strömung aufblähte und wieder zusammenfiel.

Bis zur Böschungskante ging er, doch der Lehm gab unter seinen Stiefeln nach. Er blieb oben. Vermutlich war die Folie von einer Ladefläche geweht worden; um sie aus dem Wasser zu holen, hätte er wenigstens einen langen Haken gebraucht. Zurück im Wagen notierte er den Ort und die Uhrzeit in seinem schwarzen Buch. Dann drehte er die Heizung höher und fuhr weiter.

An der vierten Kreuzung lag ein kleiner dunkler Vogel im Randgras. Der Fahrtwind bewegte seine Federn. Am Laternenpfahl darüber hatte sich die Ecke eines Aushangs gelöst und schlug gegen das Holz.

Im Sheriff's Office roch es nach nassen Jacken und abgestandenem Kaffee. Loretta saß hinter dem Rufbuch, den Hörer zwischen Ohr und Schulter geklemmt, und streckte die freie Hand nach Elias' Bericht aus. Er legte ihn vor sie hin, zog die Mütze ab und wartete, während sie am Telefon einen Termin wiederholte.

„Der Hund ist noch dort“, sagte er, als sie aufgelegt hatte. „Wasser hat er erst mal genug. Ich schaue morgen wieder nach ihm.“

„Ich lasse es für die Frühschicht im Buch. Falls du nicht dazu kommst, schicke ich jemanden.“

„Danke. Unter der Brücke hängt außerdem Verpackungsfolie im Bach. Das habe ich mir aufgeschrieben, aber vom Ufer aus kam ich nicht dran.“

Loretta setzte eine kurze Notiz hinter den Eintrag und zog den Schichtzettel heran. Bei Phelps' Namen stand für morgen ein Fragezeichen. Sie hielt den Stift einen Augenblick darüber, ehe sie etwas an den Rand schrieb.

„Kriegst du es verteilt?“, fragte Elias.

„Für morgen schon. Geh du erst mal essen.“

Er wollte noch den Bericht zu Ende bringen. Am Ende des Flurs stand Bennetts Bürotür einen Spalt offen, und dahinter raschelte Papier. Eine Schublade wurde zugeschoben. Elias verlangsamte seine Schritte, klopfte aber nicht. Wenn Bennett die Tür so weit zuzog, wollte er gewöhnlich seine Ruhe.

An der gegenüberliegenden Wand hing das Foto vom Memorial Day. Caleb stand links von Bennett, Elias rechts, alle drei in Uniform. Bennett war der Einzige, der direkt in die Kamera sah; Caleb hatte noch etwas zu Elias gesagt, als Loretta bereits abgedrückt hatte.

Seit einigen Wochen nahm Bennett ihn auf Fahrten ins Hügelland mit, für die es keinen Einsatz gab. Sie hatten Zufahrten angesehen und alte Höfe, einmal zwanzig Minuten lang vor einem geschlossenen Scheunentor gestanden. Elias hatte gefragt, wonach sie suchten. Bennett war freundlich ausgewichen und hatte ihm bei der nächsten Gelegenheit wieder angeboten mitzukommen.

Jetzt hörte Elias ihn hinter der Tür husten. Er überlegte, doch noch zu klopfen. Morgen früh würden sie ohnehin miteinander reden; vielleicht bekam er dann endlich mehr als eine halbe Antwort.

Er setzte sich an seinen Schreibtisch. Als er den Bericht unterschrieben hatte, brannte Bennetts Licht noch immer.

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